
Was ist Pferdeosteopathie?
Das Ziel einer osteopathischen Behandlung ist immer das Erhalten oder die Wiederherstellung von Bewegung der Gelenke und der Gewebe. Mit Gewebe meine ich Knochen, Muskeln, Sehnen, Faszien und Organe.
Der Grund für eine Einschränkung oder den Verlust von Gelenk- und/ oder Gewebebewegung kann verschiedenste Ursachen haben, wie z.B. Unfälle, Überlastung, Fehlbelastung, Narben, Entzündungen,ua.
Um nun zu verstehen, was durch diese beeinträchtigenden Ursachen im Körper ihres Pferdes ausgelöst werden kann, muss ich als Pferdeosteotherapeutin die vier osteopathischen Regeln bedenken:
- Nur die korrekte Anatomie des Körpers lässt den Körper auch korrekt funktionieren. Wenn die Gelenkpartner des Schultergelenkes der linken Vordergliedmaße also nicht die richtige Stellung zueinander haben, wird das Pferd mit dem linken Vorderbein nicht fehlerfrei gehen können und schlimmstenfalls lahmen. Aber auch umgekehrt gilt, dass nur die korrekt ausgeführte Funktion auch für eine korrekte Anatomie sorgt. Das heißt wiederum, wenn ein Pferd immer wieder über seine körperlichen Grenzen hinaus gearbeitet wird, sind Verschleißerscheinungen an den Knochen und Gelenken wahrscheinlich.
- Für eine optimale Funktion von Gewebe muss die Zu- und Ableitung von Blut und der Abfluss von Lymphe (Gewebsflüssigkeit) gewährleistet sein. Kommt es durch Narben, Verletzungen oder Entzündungen zu einer Störung dieses Flusses, führt das zu Durchblutungsstörungen und/ oder Schwellungen in diesem Gebiet. Dem folgen weitere Veränderungen dieses Gewebes.
- Der Körper muss als Einheit gesehen werden. Greift ein Rädchen nicht exakt ins andere, kann das den ganzen Apparat stilllegen. Auf das Pferd bezogen bedeutet das: wenn zum Beispiel der rechte Hinterhuf nicht in der korrekten Form ist, kann das zu Beschwerden im rechten Hüftgelenk und sogar zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Brustwirbelsäule führen. Dies kann auch eine Beeinträchtigungen des Zwerchfells nach sich ziehen und somit die Atmung des Pferdes behindern.
- Der Körper besitzt die Fähigkeit sich selbst zu heilen. Diese Tatsache erfahren wir selbst fast täglich, wenn es sich um kleinere Erkältungen oder Entzündungen handelt, für die wir nicht jedes Mal einen Arzt aufsuchen müssen. Das ist bei den Pferden nicht anders. Erst wenn eine Störung der Selbstheilungskräfte des Körpers vorliegt, muss ein Therapeut eingreifen.
Unter Berücksichtigung dieser vier Aspekte erklärt sich, dass ich nicht nur das blockierte Gelenk behandeln muss, sondern auch das umliegende Gewebe in die Therapie mit einbezogen werden muss.
Durch die Behandlung des Bewegungsapparates kann ich außerdem Einfluss nehmen auf das Herz-/ Kreislaufsystem, die Atmung und die Psyche des Pferdes.
Auch ist es nötig, Haltung, Fütterung, Zähne, Hufe, Sattel, Zaumzeug und die Arbeit des Pferdes zu überprüfen.
Die Pferdeosteopathie hat ihren Ursprung in der Humanosteopathie. Diese wurde erstmal 1872 in den USA von Dr. Andrew Taylor Still angewandt. Die oben genannten "Vier osteopathischen Regeln" stammen ebenfalls von ihm.
Erstmals auf das Pferd übertragen wurde die Humanosteopathie in den 1970ern von Dr. Dominique Giniaux.
Eine derjenigen, die die Pferdeosteopathie nach Deutschland gebracht hat, ist Beatrix Schulte- Wien. Sie gründete und leitet auch heute noch das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) in Dülmen.
Die Ausbildung zum Pferdeosteotherapeuten darf von Tierärzten, Ärzten und Physiotherapeuten gemacht werden. Leider ist der Beruf des Pferdeosteotherapeuten nicht staatlich anerkannt, d.h. jeder darf sich diesen Titel geben- auch ohne Ausbildung!